Evangelisch in Neunburg und Umgebung

Geschichte der Evangelischen in Neukirchen-Balbini

Von Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Probst, Neukirchen-Balbini

Reformationszeit

1552: Neukirchen-Balbini wird evangelisch.

1557: bei einer Kirchenvisitation werden die Ratsherren als Gotteslästerer und Schwelger bezeichnet

1582 Kirchenvisitation: Den sogenannten Ämtern vor dem Wald (Neunburg, Rötz und Waldmünchen) kam innerhalb der Kurpfalz eine Sonderstellung zu: Sie waren erst im Februar 1582 im Zuge des Gebietsaustauschs mit Ludwigs VI. Bruder Johann Casimir, der im Gegenzug den Großteil des Wittums von Dorothea von Neumarkt erhielt, an das Herrschaftsgebiet Ludwigs gelangt. Das bedeutete konkret: Die erste calvinische Phase hatte hier länger angedauert und lag unmittelbar zurück. Außerdem waren zwischen beiden Territorien die Geistlichen ausgetauscht worden, so dass die Pfarreien der Ämter vorm Wald fast ausschließlich mit sogenannten Permutationspfarrern besetzt waren, die erst kurz zuvor in die Gegend gekommen waren. Naturgemäß waren diese Seelsorger noch wenig mit den Menschen und Verhältnissen ihrer neuen Umgebung vertraut, so dass sie einige Fragen des Visitators nur unzulänglich oder oberflächlich beantworten konnten.
Die Kirchenvisitation führte Pfarrer Rötting aus Rötz durch: Incorporierte Dörfer: Goppoltsried, Windmais, Meidenried, Grottenthal, Dehnhof, Boden, Etzmannsried und Pottenhof bei Rötz.
Pfarrer Michael Pölmann (42) erhält als Besoldung 100 Gulden Bargeld sowie 26 Viertl Korn, 21 Viertl Gerste, 6 Viertl Hafer und 1 Viertl Weizen in Naturalien. Über die Zahl der Kommunikanten kann er derzeit noch keine Auskunft geben, weil er erst seit kurzem in Neukirchen - Balbini ist.
Kaplan Johannes Bertoldus (26) versieht Friedersried und Fronau. Er erhält als Besoldung 17,5 Gulden Zins, 8 Scober Korn, 6,6 Schober Hafer, 1 Schober 40 Garben Weizen, 4 Schober 10 Garben Gerste
Der Schulmeister und Mesner Constantin Vitus Scherl (25) wird besoldet aus den Erträgnissen der Frühmesse und der St. Petersmesse. Der Pfarrhof, die Schule und die Kaplanswohnung sind baufällig.
Bürgermeister und Zehentpröbste geben dem Pfarrer, dem Diakon und dem Schulmeister ein gutes Zeugnis. Der Pfarrer sei zu seinem Amt getreu und fleißig. Sie attestierten ihm eine reine Lehr (d. h. lutherisch). Er gibt gute Lehr und Vermahnung.
Bei der Kirchenvisitation berichtet der Pfarrer (Pöllmann), dass in Neukirchen-Balbini eine "rohe Art" herrrsche; der Kaplan für Friedersried und Fronau schloss daraus, dass man sich allgemein lange weigert, bei Krankheit nach einem Seelsorger rufen zu lassen, auf eine gewisse Härte im Wesen der Menschen.  Zur Abhaltung von Wochenpredigten äußert sich der Neukirchner Pfarrer skeptisch, ob die Leute bereit sein würden, unter der Woche schon vor Arbeitsbeginn in die Kirche zu kommen. Eine außergewöhnliche Vergangenheit hatte auch der Mesner, Schulmeister und Gerichtsschreiner /Scherl): Er hatte offenbar in Passau Weihen empfangen und Messe gehalten und war später an der Thomasschule in Leipzig gewesen.

1601: Die Pfarrkirche St. Michael erhält eine neue Glocke. Bei einer Kirchenvisitation am 20. Juni klagt Pfarrer Johann Horn über die Leichtfertigkeit der Neukirchner beim Tanz

1616: Rat und Bürgerschaft beklagen sich bei der Kirchenvisitation über Pfarrer Georg Molitor, dass er sich zu sehr um bürgerliche Handlungen kümmert und zuviel Bier braut.

1618 bis 1648: Dreißigjähriger Krieg: Der Markt verlor während des Krieges 40 Prozent des Rinderbestandes, 43 Prozent der Häuser waren öd und ruiniert.

1626/27: Christoph Thomas Kienner ist im Zuge der Gegenreformation der erste katholische Schulmeister;  zugleich hat er das Amt des Marktschreibers inne

1627 bis 1629: nach der Vertreibung der protestantischen Pfarrer übernehmen Jesuiten die Seelsorge; sie wohnen bei Bürgermeister Christoph Rotfischer

1630: der protestantische Emigrant Georg Conrad besitzt noch ein Haus am Markt

In der Reformationszeit gehörte die Pfarrei Neukirchen-Balbini zur Inspektion Neunburg. Zur Pfarrei gehörten damals 20 Dörfer, Weiler und Einöden. Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1594 erhielt der Pfarrer 198 Gulden als Besoldung, der Diakon 90 Gulden und der Schulmeister zehn Gulden. Letzterer versah gleichzeitig den Dienst des Marktschreibers.

Nachkriegszeit:

Im Zuge der Vertreibung aus den Ostgebieten und der Tschechoslowakei kamen ab 1945 viele Flüchtlinge nach Neukirchen-Balbini. Darunter befanden sich auch zahlreiche Evangelische. Die evangelische Kirche in Neunburg konnte die vielen Gottesdienstbesucher nicht mehr aufnehmen, so dass auch in den umliegenden Orten Gottesdienste stattfanden. Für Neukirchen-Balbini ist zum Beispiel belegt, dass 1953 evangelische Gottesdienste in der Schule abgehalten worden sind. Die Schule befand sich damals noch im jetzigen Rathaus am Marktplatz.

Kirche St. Michael:

Von der Kirche in reformatorischer Zeit ist heute nichts mehr zu erkennen.
Auf dem Friedhof befand sich früher die St. Peters Kapelle. In der Reformationszeit soll die Kapelle ruiniert und zerstört worden sein, so dass es keine Spuren davon mehr zu sehen gäbe. Die heute noch existierende Sterbeglocke stammt aus dem Jahr 1601. Dies bezeugt ihre Inschrift: „Kirchenbrobst war 1601. iar Andre Velhorn und Georg Merl - Georg Schelchshorn von Regenspurg goss mi. aus dem feur flos ich“. Ihr Gewicht beträgt 58 Kilogramm

Pfarrerliste:

  • 1552-1577 Leonhard Heinel
  • 1579-1582 Johann Su(o)mmer, Magister aus Karlsbad, entlassen bei Permutation
  • 1582-1599 Michael Pöllmann aus Schleiz, Permutationspfarrer
  • 1601 Johann Horn aus Kemnath; vorher Kaplan in Cham, nachher Pfarrer in Roding
  • 1602/06 Wolfgang Bacher; Universitätsstudium in Altdorf, Heidelberg und Leiden; später Pfarrer in Bruck, Calvinist
  • 1615-1621 Georg Molitor (Müller), Calvinist
  • 1622-1625 Leonhard Ritter, * 1592 in Weimar, +1641 in Regensburg; Universitätsstudium in Jena; 1625 entlassen, Calvinist

Diaconi-Liste (entspricht Kaplänen)

  • 1553-1581 Matthias Löchl, +1581
  • 1604 Johann Popp; nachher Pfarrer in Kemnath b. Fuhrn
  • 1604-1611 Salomon Francisci ; vorher Cantor in Neunburg
  • 1611-1613 Georg Hezel
  • 1613-1616 Johann Freiberger
  • 1616-1625 Johannes Rarisch, 1625 entlassen

Schule:

Der erste Beleg für eine Schule in Neukirchen-Balbini stammt aus der Zeit der Reformation. Bei der Kirchenvisitation anno 1557 heißt es, dass die Einkünfte aus den eingezogenen kirchlichen Pfründen unter anderem der Schule zugutekommen. 1582 ist Constantinus Vitus Scherl als Schulmeister belegt. Der 25-jährige Amberger, der zuvor drei Jahre als Cantor in Bruck tätig war, fungierte gleichzeitig als Mesner und Gerichtsschreiber. 1588 hat er die Pfarrerstelle in Kemnath bei Fuhrn inne, von 1604 bis 1613 amtiert er als Pfarrer in Seebarn.
Die Schule wird 1582 als baufällig bezeichnete wie auch der Pfarrhof und die Unterkunft des Kaplans. 1616 ist ein Bartholomäus Holtzapfel und 1617 ein Wolf Manner als Schulmeister überliefert.
Im Zuge der Gegenreformation übernehmen wieder katholische Lehrer den Unterricht. Der erste katholische Schulmeister ist ein ehemaliger Soldat namens Christoph Thomas Kienner, dessen Bewerbungsschreiben von anno 1626 im Staatsarchiv Amberg aufbewahrt wird.

Schulmeister:

  • 1582/88 Constantinus Vitus Scherl aus Amberg
  • 1593/1599 Johann Rauscher
  • 1599/1616 Bartholomäus Holtzapfel
  • 1617 Wolf Manner
  • 1626/27 Christoph Thomas Kienner

Bürgermeisterliste

  • 1582 Erhart Bernhöfer
  • 1582 Georg Graff
  • 1615/25 Paul Hetzel
  • 1615/29 Christoph Rotfischer
  • 1615/16 Georg Möhrl
  • 1615 Fleischmann

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